Vergleichende Betrachtung der Sicherheit und Wirtschaftlichkeit von Arbeitsstellen kürzerer Dauer auf Autobahnen bei Tag und Nacht

  • A comparative examination of the safety and cost effectiveness of short-term roadworks on motorways by day and by night

Kemper, Dirk; Steinauer, Bernhard (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2010)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2010

Kurzfassung

In Deutschland werden etwa 90% des Verkehrsaufkommens im Personenverkehr und 65% im Güterverkehr von den Autobahnen bewältigt. Die Gesamtfahrleistung auf den Autobahnen ist in den letzten 20 Jahren noch stärker angestiegen als in den Prognosen erwartet wurde. Insgesamt muss die Straße die mit großem Abstand höchste Verkehrsleistung übernehmen und stellt damit das Rückgrad der verkehrlichen Infrastruktur dar – dies gilt insbesondere für Autobahnen. Arbeitsstellen auf Autobahnen beeinträchtigen durch Veränderungen der Verkehrsführung oder der Sperrung von Fahrstreifen die Leistungsfähigkeit der betroffenen Streckenabschnitte. Als Folge treten i.d.R. Störungen des Verkehrsablaufs oder Staus auf, die zu einem Anstieg der Straßennutzerkosten führen. Etwa 1/3 der staubedingten Verlustzeiten auf deutschen Autobahnen resultieren aus Arbeitsstellen. Eine Reduzierung dieser Kosten ist vor allem durch die Optimierung der jährlich etwa 70.000 staurelevanten Arbeitsstellen kürzerer Dauer (AkD) möglich. Insbesondere eine Verlagerung dieser Arbeitsstellen vom Tag in die Nacht stellt die wichtigste Alternative dar, die Stra-ßennutzerkosten deutlich zu senken. Allerdings wurden die Sicherheitsaspekte von Nachtbaustellen noch nicht wissenschaftlich betrachtet, so dass immer wieder Bedenken gegen diese Art von Arbeitsstellen vorgebracht werden. Daher wurden alle sicherheitsrelevanten Aspekte von Nachtbaustellen betrachtet, mit dem Ziel, Empfehlungen für die Durchführung von Arbeitsstellen kürzerer Dauer bei Nacht zu erarbeiten. Hierzu wurden u. a. ca. 14.500 AkD sowie etwa 33.500 Unfälle auf Bundesautobahnen der Jahre 2002 bis 2005 analysiert und hinsichtlich Verkehrs- sowie Arbeitssicherheit bewertet. Die angestellten Untersuchungen haben gezeigt, dass Nachtbaustellen kein höheres Gefährdungspotential aufweisen als vergleichbare Arbeitsstellen bei Tag. Der Anstieg der Unfallzahlen im Bereich von Arbeitsstellen gegenüber der freien Strecke ist bei Nacht sogar geringer als bei Tag. Die Unfallzahlen je 1000 AkD-Stunden liegen bei Tag etwa 30% höher als bei Nacht, und auch die Unfallkostenraten sind im Bereich von AkD bei Tag höher als bei Nacht. Generell ist als eine Hauptursache für die erhöhten Unfallzahlen im Bereich von Arbeitsstellen in der hieraus resultierenden Stauentwicklung zu sehen, in erster Linie bei Tag. Jeder Stau, insbesondere das Stauende, stellt ein enormes Unfallrisiko dar und muss daher möglichst vermieden werden. Aufbauend auf den Unfallanalysen konnten sowohl organisatorische als auch technische Maßnahmen entwickelt und deren Wirkung auf die Verkehrs- und Arbeitssicherheit abgeschätzt werden. Die organisatorischen Maßnahmen umfassen u. a. Empfehlungen zu möglichen Einsatzzeiten sowie einer personalverträglichen Umsetzung von Nacht- oder Schichtarbeit. Unter den technischen Maßnahmen sind zusätzliche Elemente der Baustellenabsicherung, wie z. B. Warnschwellen oder Überkopfsignalisierung zu verstehen, die zielgerichtet Unfälle innerhalb von Arbeitsstellen kürzerer Dauer verhindern. Des Weiteren wurden Vorschläge für die Optimierung von Warnkleidung erarbeitet, die insbesondere bei Nacht eine gute Erkennbarkeit der im Straßenraum Beschäftigten gewährleisten. Für einen zukünftig verstärkten Einsatz von Nachtbaustellen sind somit praxisgerechte Einsatzkriterien für die richtige Auswahl und Anwendung von wirtschaftlich und betrieblich vertretbaren, staumindernden Maßnahmen entwickelt worden. Die im Rahmen dieser Arbeit gegebenen Empfehlungen müssen Eingang in die Planung von Nachtbaustellen finden. Die Autobahnen sind die Schlagadern der deutschen Wirtschaft sowie der Mobilität. Aus diesem Grund müssen staurelevante Eingriffe in den Verkehr unter allen Umständen vermieden werden. Da AkD sehr häufig notwendig sind, muss unter Berücksichtigung des zunehmenden Verkehrs in Zukunft auf die Nachtzeit ausgewichen werden. Es liegt an den Straßenbauverwaltungen den Nutzen der Nachtarbeit zu erkennen und die Weichen dementsprechend zu stellen.

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